Vom Holzspalten bis zur Heumahd
Landrat vor Ort: Alexander Tönnies besucht das Unternehmen Jan Bähn Land- und Forstwirtschaft in Liebenwalde
Oberhavels Unternehmerinnen und Unternehmer sehen Perspektiven in der Region. Sie sind häufig tief verwurzelt in Oberhavel und sorgen für Wirtschaftskraft und damit eine positive Entwicklung des Landkreises. Dazu stellen sie sich täglichen Herausforderungen, die je nach Branche unterschiedlich sind. „Einige teilen die Unternehmerinnen und Unternehmer aber häufig, und zwar die Herausforderungen um aufwändige bürokratische Verfahren und die Energieversorgung“, berichtet Landrat Alexander Tönnies aus zahlreichen Treffen mit Unternehmerinnen und Unternehmern in den vergangenen Jahren. „Bei meinen Gesprächen erlebe ich aber vor allem auch, wie viel Kraft und Herzblut die Verantwortlichen in ihre Unternehmen investieren. Das trifft auch auf Jan Bähn zu, der sich mit mehreren Standbeinen eine wirtschaftliche Existenz aufgebaut hat und in seinen Betrieb immer weiter investiert, um zukunftsfähig zu sein“, sagt Alexander Tönnies nach dem Gespräch mit dem Firmeninhaber. Gemeinsam mit WInTO-Geschäftsführerin Claudia Flick und Liebenwaldes Bürgermeister Jörn Lehmann besichtigte er unter anderem die Produktionsstrecke für Brenn- und Kaminholz von Jan Bähn Land- und Forstwirtschaft.
Helfer für Waldeigentümer und ein Landwirtschaftsbetrieb
Jan Bähn hat seine Firma vor rund zehn Jahren gegründet. Er produziert Brenn- und Kaminholz ausschließlich für Privatkunden. Die Vermarktung über große Anbieter lehnt er ab. Sein Holz kommt ausschließlich aus der Region und hier verkauft er auch die für Kamin und Ofen passend zugeschnittenen Scheite. Jan Bähn setzt aber nicht allein auf den Holzeinschlag. Er berät private Waldeigentümer – unter anderem auch die DKB Stiftung in Liebenberg – zu forstwirtschaftlichen Fragen. Dabei geht es nicht allein darum, wo Holz geschlagen werden muss, sondern um die gesamte Pflege des Baumbestandes. Da, wo geschlagen wird, vermittelt er geeignete Firmen und hilft bei der Vermarktung des Holzes.
Der gebürtige Liebenwalder ist Lohnunternehmer – und das nicht allein in der Forstwirtschaft. Für Landwirtschaftsunternehmen in Oberhavel übernimmt er auch die Grünlandbewirtschaftung. Die Menschen, die für ihn in Lohnarbeit tätig sind, sind unter anderem Selbstständige aus der Region. Das Miteinander sei das Schöne an der gemeinsamen Arbeit, man hilft einander und arbeitet zusammen, sagt der Unternehmer, der mit seiner Familie gleich neben Holzlager und Getreidefeld lebt.
Jan Bähn betreibt darüber hinaus auch einen eigenen Ökolandbetrieb. Sein Hafer wird bei Kölln zu Müsli verarbeitet. Außerdem hält der Familienvater 60 Mutterkühe. Darunter sind Wagyu-Rinder, die er vor allem angeschafft hat, weil seine Kinder gefahrloser durch die Herde der sanftmütigen Rasse laufen können. „Ich versuche, mich breit aufzustellen, um meinen Betrieb auf sichere Beine zu stellen“, erklärt Jan Bähn. Wenn er in diesem Jahr auf die Ernteerträge seiner Kunden, Nachbarn und Freunde schaut, sind Einbußen aufgrund eines viel zu trockenen Frühjahrs zu verzeichnen. Das spürt auch der Unternehmer, der Lohnarbeit anbietet. „Der Regen kam für das Getreide zu spät, was zu Einbußen von 30 bis 50 Prozent führt. Das Grünland hat sich nochmal erholt, und für den Mais war der Regen im Juli wichtig“, sagt Bähn. Jetzt sei es aber Zeit, dass es wieder regnet.
Weniger Zeit im Büro verbringen zu müssen und flexiblere Verfahren, wenn es um die Energieversorgung seines Betriebes geht, sind zwei weitere Dinge, die sich der Einzelunternehmer mindestens genauso dringend wünscht. Letzteres hat er selbst in die Hand genommen, nachdem der Netzbetreiber ihm für das kurzfristige Mehr an Strom eine Absage erteilt hat. Jan Bähn investiert noch in diesem Herbst in die eigene Photovoltaik-Anlage, die seinen Hof und langfristig auch Rad- und Teleskoplader versorgen soll. Die Umstellung auf E-Maschinen ist Schritt zwei, um autarker und damit zukunftssicher zu sein.