Biotechnologie und Medizintechnik – drei Firmen, eine Familie
Landrat Alexander Tönnies besucht die HiPer-Zellwerk-Unternehmensgruppe in Eichstädt
Welchen Herausforderungen sich Oberhavels Unternehmen stellen müssen, ist ganz unterschiedlich. Alexander Tönnies spricht in der Reihe „Landrat vor Ort“ regelmäßig mit den Verantwortlichen über ihre Probleme und Perspektiven. Gemeinsam mit Claudia Flick, Geschäftsführerin der Wirtschaftsfördergesellschaft WInTO, und Oberkrämers Bürgermeister Wolfgang Geppert besuchte Alexander Tönnies die Unternehmensgruppe HiPer Ceramics, HiPer Medical und Zellwerk GmbH in Eichstädt. Dr. Hans Hoffmeister führt das Familienunternehmen, das in zweiter Generation in den Bereichen Industriekeramik, Medizintechnik und Biotechnologie aktiv ist. „Familie Hoffmeister kämpft mit ganzer Kraft für die Zukunft ihrer Firmen. Sie setzt trotz der Probleme rund um die Energieversorgung, sehr lange Genehmigungsprozesse und die angespannte Marktlage auf Eichstädt als langfristigen Standort der HiPer-Zellwerk-Gruppe. Das ist beeindruckend und ein weiteres Beispiel des Unternehmergeistes in unserer Region“, sagte Alexander Tönnies nach dem Besuch. „Familie Hoffmeister ist eng mit Oberkrämer verbunden und arbeitet in angespannten Zeiten dafür, dass Knowhow aus Oberhavel auch weiter in die Welt geht.“
Technische und medizinische Keramik von HiPer
„Wir sind eine echte Garagengründung“, sagt Dr. Hans Hoffmeister. Was in einem Nebengebäude der Bollhagen-Werkstätten in Marwitz 1995 begann, ist heute in Eichstädt ein global agierendes Unternehmen in einem wichtigen Markt der Medizintechnik. Aus der Garagengründung sind die HiPer Medical AG, die HiPer Ceramics GmbH und die Zellwerk GmbH gewachsen. 1997 bezog die Gründerfamilie Hoffmeister den Standort in Eichstädt mit 66 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
HiPer stellt technische und medizinische Keramik her. U. a. werden Teile für Turbinenhersteller, Chipherstellungsmaschinen und Industriearmaturen in Eichstädt gefertigt. Aktuell entstehen vor allem keramische Hüftkugeln für die Endoprothetik. Die Hüftkugeln werden in zwei riesigen Öfen gebrannt. Um sie zu betreiben, braucht es sehr viel Energie – und zwar aus reinem Erdgas. Wasserstoff, Biomasse, Sonnen- oder Windenergie sind keine Alternativen für Dr. Hans Hoffmeister. Der Geologe führt die Reinheit und Brennwertstabilität von Erdgas an, die für das Sintern streng regulierter Medizinprodukte unabdingbar seien. Bei dem Verfahren werden keramische Pulver unter Druck zusammengepresst und bei hohen Temperaturen behandelt, um dichte und stabile Bauteile zu formen. Wasserstoff dafür zu nutzen – als eines der ganz wenigen Gase, die sich bei Entspannung erhitzen – wäre ungleich gefährlicher und teurer, eine Umstellung würde millionenschwere Investitionen in neue Öfen voraussetzen. Andere Alternativen seien weder verlässlich noch qualitativ geeignet.
Der dritte Brandofen, der ursprünglich für eine neu errichtete, aber heute leerstehende Halle am Firmensitz vorgesehen war, steht inzwischen in den USA. Die Unsicherheit bei der Versorgung mit Erdgas habe dazu geführt, sagt Dr. Hans Hoffmeister. Der Energielieferant habe keine Garantie geben können. Deshalb sei dieser Ofen in Eichstädt nicht in Betrieb genommen worden. Stattdessen ging er in die USA, seit 2017 betreibt seine Familie dort einen kleinen Standort.
Mittel gegen Tumore von Zellwerk
Unter dem Dach des Familienunternehmens agiert auch das kleinste Pharmaunternehmen Deutschlands. Zellwerk arbeitet mit acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an einem Mittel gegen Darm- und Prostatatumore. „Jetzt nach 25 Jahren sind wir mit unserer Zellkultivierungstechnologie für Zell- und Gewebearzneimittel endlich in eine klinische Studie eingetreten“, so Hoffmeister. Seit inzwischen 12 Jahren arbeitet Zellwerk bereits mit einer Klinik in Frankfurt/Main zusammen, um Krebspatienten zu helfen. „Hier in der Region fehlt bisher der Mut, Patientinnen und Patienten ohne andere Therapieoptionen mit experimentellen Arzneimitteln im Sinne von Heilversuchen zu behandeln“, so Hoffmeister. Zellwerk stellt ein Anti-Tumormittel her, wie es der Geschäftsführer nennt. „Ganz einfach ausgedrückt: Wir isolieren Zellen aus einem Tumor, die nach spezieller Kultivierung und Aktivierung als eine Art Gegenmittel wirken.“
Dr. Hans Hoffmeister und seine Familie sind Oberhavel verbunden. Doch die Herausforderungen für die Unternehmensgruppe seien immens. Die Versorgungsunsicherheit – vor allem was die langfristige Verfügbarkeit von Erdgas und gestiegene Energiepreise angeht – gefährden das Familienunternehmen. Dazu kommen hohe Auflagen und bürokratischer Aufwand. „Die Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa führen dazu, dass unsere Abnehmer in Richtung Asien und USA abwandern“, sagt Hans Hoffmeister. „Das ist die größte Gefahr für uns.“