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Coronavirus
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23.04.2020

Coronavirus: Maßnahmen für Gemeinschaftsunterkunft festgelegt

Getrennte Unterbringung infizierter und nicht infizierter Bewohnerinnen und Bewohner / Dank an Mitarbeitende des Gesundheitsamtes / Begrüßung der Bundeswehrsoldaten / Aktuelle Fallzahlen für Oberhavel

Nach den am 17.04.2020 und 21.04.2020 erfolgten Reihenuntersuchungen in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Hennigsdorf liegt jetzt ein Großteil der Testergebnisse vor. Insgesamt sind demnach bislang 68 SARS CoV2-Virus-Infektionen in der Unterkunft bestätigt. Die Testergebnisse vom Dienstag sind noch nicht abschließend.

Der Krisenstab der Kreisverwaltung, dem unter anderem der Landrat und alle Dezernenten angehören, hat daher am Mittwochabend in einer mehrstündigen Sitzung weitere Maßnahmen zum Umgang mit den Erkrankungsfällen beraten. Wichtigste Festlegung ist, dass positiv auf das Coronavirus getestete Bewohnerinnen und Bewohner schnellstmöglich räumlich von nicht infizierten Personen getrennt werden müssen. „Das ist nicht nur aus medizinischer Sicht unbedingt notwendig, sondern das entspricht zu recht auch der Erwartungshaltung der Bewohnerinnen und Bewohner", sagt Landrat Ludger Weskamp.

Für die getrennte Unterbringung infizierter und nicht infizierter Bewohnerinnen und Bewohner hat der Krisenstab der Kreisverwaltung verschiedene Varianten diskutiert. Darunter auch die dezentrale Unterbringung an verschiedenen Standorten. Nachteil dieser Variante ist jedoch, dass Fragen der Versorgung, der Sicherheit, der medizinischen Betreuung, der sozialen Beratung und der Reinigung dann ebenfalls dezentral zu organisieren wären. Die notwendige schnelle Trennung der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen von ihren Mitbewohnerinnen und -bewohnern wäre auf diesem Weg nicht leistbar. Deshalb hat der Krisenstab sich entschlossen, die separierte Unterbringung am Standort Hennigsdorf zu forcieren. Dafür sind Umzüge innerhalb der fünf Häuser notwendig.

„Wir haben daher den Donnerstag genutzt, um die Umzüge vorzubereiten und alle weitere notwendige Logistik auf den Weg zu bringen. Dazu gehören die Versorgung mit Lebensmitteln ebenso wie Sicherheitsfragen und natürlich medizinische Aspekte. Uns allen muss klar sein, dass es sich bei der aktuellen Situation um eine für alle neue und herausfordernde Lage handelt. Wir arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, eine gerade für die Bewohnerinnen und Bewohner möglichst erträgliche Quarantänesituation zu schaffen", so Weskamp.

In der Hennigsdorfer Unterkunft leben aktuell 413 Personen in fünf Häusern, darunter etwa 30 Kinder. Auf Anordnung des Gesundheitsamtes stehen nunmehr alle Häuser der Unterkunft unter Quarantäne. Denn in allen Häusern gibt es positiv auf das Coronavirus getestete Personen. Insgesamt sind das nach Stand vom Donnerstagnachmittag 68 Personen. Weitere Testergebnisse für die Häuser 1 und 4 stehen noch aus. Haus 3 der Unterkunft ist derzeit aufgrund von umfangreichen Sanierungsarbeiten nicht nutzbar.

„Unser Ziel ist es, alle positiv auf das Coronavirus getesteten Personen in einem Haus der Unterkunft unterzubringen. Dafür müssen zunächst die negativ getesteten Personen aus diesem Haus ausziehen. Sie werden für wenige Nächte an einem anderen Ort untergebracht. Anschließend können die positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner der anderen Häuser in das für alle Positivfälle festgelegte Haus umziehen. Im Anschluss werden die in der Zwischenunterkunft Untergebrachten auf die anderen Häuser in der Gemeinschaftsunterkunft Stolpe-Süd verteilt. "Vor dem Neubezug der einzelnen Zimmer erfolgt selbstverständlich eine umfassende Reinigung und Desinfektion der Räume. Ein Umzugsunternehmen wird die Umzüge unterstützen", erklärt Sozialdezernent Matthias Kahl. Alle nicht mit dem Coronavirus infizierten Bewohnerinnen und Bewohner gelten – wie in Erkrankungsfällen außerhalb von Gemeinschaftseinrichtungen auch – als Kontaktpersonen. Für sie gilt damit eine 14-tägige Quarantäne.

Das trifft auch auf die zwischenzeitlich anderweitig untergebrachten Geflüchteten zu. Eine Versorgung mit Nahrungsmitteln und einer warmen Mahlzeit am Tag ist für sie organisiert. Die Oberhavel Kliniken GmbH unterstützt den Landkreis dabei. Auch Sicherheitskräfte und Sozialarbeiter werden vor Ort sein.

Am Standort Stolpe-Süd werden derweil weitere Maßnahmen für die Umsetzung der Quarantäne der Gemeinschaftsunterkunft getroffen. So ist ein Sanitätsdienst täglich im Einsatz, um die medizinische Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner sicherzustellen. Bewohnerinnen und Bewohner sind mit Mund-Nasen-Schutzmasken ausgestattet, Desinfektionsmittel ist in den Unterkünften vorhanden. Der Wachschutz wurde verstärkt und erhält zusätzliche Unterstützung durch die Polizei. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Landkreises versorgen die Bewohnerinnen und Bewohner in 14 Sprachen mit allen notwendigen Informationen. Sie organiseren zudem die Versorgung der Geflüchteten mit Lebensmitteln und allem für den täglichen Bedarf notwendigen Dingen. Derzeit wird mit Unterstützung einer Vollsortimenter-Kette ein Bestellmanagement aufgebaut, so dass die Bewohnerinnen und Bewohner einen virtuellen Einkaufswagen selbst befüllen können. Die Waren werden dann an den Standort geliefert und personengenau verteilt. Damit Kinder in der Unterkunft weiterhin am Home-Schooling teilnehmen können, werden sie mit Schulmaterialien durch die Sozialarbeiter versorgt.

Aktuell werden die Bewohnerinnen und Bewohner durch die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter über die am Freitag beginnenden Umzüge informiert. „Wichtig ist uns, in der Bewohnerschaft eine hohe Aktzeptanz für die jetzt festgelegten Maßnahmen zu erreichen. Dabei wird es keine Lösung ohne Einschränkungen für die Bewohnerinnen und Bewohner geben. Dessen sind wir uns bewusst. Wir setzen jetzt aber nach unserer festen Überzeugung die zwingend erforderlichen Maßnahmen so um, dass sie die geringsten Beschränkungen für die Bewohnerinnen und Bewohner mit sich bringen. Diese gehen nach unseren bisherigen Erfahrungen mit der Situation sehr verantwortungsvoll um", sagt Landrat Ludger Weskamp.

Positivfall in Kremmener Gemeinschaftsunterkunft

Eine weitere positiv auf das SARS CoV2-Virus getestete Person meldete das Gesundheitsamt am Mittwochabend für die Gemeinschaftsunterkunft in der Stadt Kremmen. Der Geflüchtete war bei einer Untersuchung in einer Berliner Klinik positiv auf das Virus getestet worden. In der Kremmener Unterkunft leben insgesamt 115 Menschen in neun Häusern, von denen sieben Häuser belegt sind. Für den Erkrankten und seine beiden direkten Kontaktpersonen wurde noch am Mittwochabend Quarantäne angeordnet, sie sind in einem der derzeit nicht belegten Häuser in Einzelzimmern untergebracht. Die Versorgung der Bewohner ist sichergestellt.

Dank an Mitarbeitende des Gesundheitsamtes und Begrüßung der Bundeswehrsoldaten

Landrat Ludger Weskamp und der Leiter des Verwaltungsstabes, Matthias Rink, besuchten am Donnerstagnachmittag das Oberhaveler Gesundheitsamt. Stellvertretend für die 41 Kolleginnen und Kollegen sowie die derzeit zur Überstützung dort eingesetzten 14 Mitarbeitenden aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung sprachen sie Amtsarzt Christian Schulze und den Teamleiterinnen und -leitern ihren Dank aus. Symbolisch überreichten sie zwei riesige Präsentkörbe.

„Bereits seit Januar arbeiten Sie unter Hochdruck am Thema Corona. Sie leisten in diesen Wochen und Monaten Großartiges für die Menschen in unserem Landkreis und gehen dabei bis an Ihre persönlichen Grenzen und darüber hinaus. Dafür danke ich Ihnen auch im Namen der Bürgerinnen und Bürger Oberhavels", sagte der Landrat. Matthias Rink ergänzte: „Sie sind das Herzstück unserer Verwaltungsarbeit im Coronageschehen. Bitte verstehen Sie unseren Dank auch als Motivation und Ansporn, in dieser Ausnahmesituation weiter Ihr Bestes zu geben. Die Nervennahrung kann Ihnen dabei vielleicht ein Stück weit helfen."

Ludger Weskamp und Matthias Rink nutzten den Besuch darüber hinaus auch dazu, die zehn Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten aus einer Berliner Feldjägereinheit zu begrüßen, die am Donnerstag ihren Dienst in Oberhavel aufgenommen hatten. Sie unterstützen das Gesundheitsamt in der nächsten Zeit bei der Abarbeitung der umfangreichen Aufgaben. Dabei werden sie hauptsächlich am Telefon eingesetzt, um beispielsweise Kontaktpersonen zu ermitteln, Bürgeranfragen entgegenzunehmen und die Einhaltung der Quarantäneverordnung zu überprüfen. Sie sind nicht mit hoheitlichen Aufgaben betraut.

Amtsarzt Christian Schulze, Matthias Rink, Leiter des Verwaltungsstabes, und Landrat Ludger Weskamp (in zivil, von links) begrüßten die Soldatinnen und Soldaten.


Aktuelle Fallzahlen für Oberhavel

Im Landkreis Oberhavel sind bisher 258 Menschen positiv auf das SARS CoV2-Virus getestet worden (Stand: 23.04.2020, 12.00 Uhr). Davon befinden sich 118 Personen in häuslicher Quarantäne, elf Personen müssen stationär behandelt werden. Sechs Personen sind verstorben. 123 Personen sind bereits geheilt. Entsprechend gibt es aktuell 129 COVID19-Erkrankte im Landkreis.

1.589 Menschen aus Oberhavel stehen derzeit temporär zu Hause unter Quarantäne, weil sie begründete Verdachtsfälle sind. 1.333 Menschen wurden bereits negativ auf das Coronavirus getestet, bei 256 Personen steht das Testergebnis noch aus. Außerdem wurden 760 Menschen im Landkreis häuslich abgesondert, weil sie mit positiv getesteten Personen direkten Kontakt hatten.

Die COVID19-Fälle verteilen sich wie folgt auf die Kommunen im gesamten Landkreis: Hennigsdorf (101), Oranienburg (36), Hohen Neuendorf (30), Velten (18), Glienicke/Nordbahn (18), Oberkrämer (12), Mühlenbecker Land (10), Birkenwerder (6), Löwenberger Land (6), Leegebruch (6), Liebenwalde (5), Zehdenick (5), Amt Gransee (2) und Kremmen (3). In Fürstenberg/Havel gibt es keinen gemeldeten COVID19-Fall.

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