Nicht privat: Gewalt an Frauen sichtbar machen
Oberhavels Landrat und Gleichstellungsbeauftragte hissen Aktionsflagge
Landrat Alexander Tönnies, Gleichstellungsbeauftragte Birgit Lipsky und Kreistagsvorsitzende Birgit Tornow-Wendland haben gemeinsam vor der Kreisverwaltung die Flagge „Wir sagen NEIN zu Gewalt gegen Frauen!“ gehisst. Anlass ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen der Vereinten Nationen am Dienstag, 25.11.2025.
„Gewalt an Mädchen und Frauen nimmt weiter zu. Gleichzeitig gibt es immer noch das falsche Bild, Gewalt in den eigenen vier Wänden sei Privatsache. Dem treten wir mit Aktionen wie dem symbolischen Hissen der Flagge gegen Gewalt an Frauen entgegen“, sagte Alexander Tönnies. Zahlen des Bundeskriminalamts belegen, dass geschlechtsspezifische Gewalt gegen Mädchen und Frauen weiter zugenommen hat. Durchschnittlich gibt es fast einen Femizid pro Tag. Eine Frau wird dabei getötet, weil sie eine Frau ist.
Um das Thema sichtbarer zu machen, wehte am Welttag gegen Gewalt an Frauen die Aktionsflagge. Ein dauerhaftes Zeichen dagegen ist die orangefarbene Bank mit der Aufschrift „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen und Mädchen!“, die seit dem vergangenen Jahr auf der Grünfläche vor dem Haupteingang der Landkreisverwaltung steht. Orange ist die Farbe des UN-Welttags. Die Bank ist mit der Telefonnummer des Frauennotrufs Oberhavel beschriftet. Wer die 0800 6648045 wählt, landet beim Märkischen Sozialverein.
Hintergrund
Das Bundeskriminalamt hat vor wenigen Tagen zum zweiten Mal ein Lagebild zur Gewalt an Frauen vorgestellt. Es trägt systematisch Zahlen zu den entsprechenden Delikten zusammen. Und diese Zahlen sind nach wie vor bedrückend. Zu den 328 Femiziden deutschlandweit kommen noch 531 versuchte Tötungen. Im Jahr 2024 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten erfasst – 2,1 Prozent mehr als 2023. Knapp die Hälfte war zum Tatzeitpunkt minderjährig. Die meisten dieser Frauen und Mädchen wurden Opfer von sexueller Belästigung (36,4 Prozent), Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff (insgesamt 35,7 Prozent) sowie sexuellem Missbrauch (27,5 Prozent). 2024 erreichte die Zahl der erfassten Opfer Häuslichen Gewalt in Deutschland mit 265.942 Menschen einen neuen Höchststand. Die Opfer sind mit 70,4 Prozent überwiegend weiblich. Zur häuslichen Gewalt zählt sowohl die Partnerschaftsgewalt als auch die innerfamiliäre Gewalt, also Gewalt zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern und anderen Angehörigen. 18.224 Frauen und Mädchen waren 2025 Opfer digitaler Gewalt, beispielsweise durch Cyberstalking oder Online-Bedrohungen. Mit einem Anstieg um 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist diese Zahl damit erneut deutlich gestiegen.
Die Zahl der polizeilich registrierten Opfer Häuslicher Gewalt ist innerhalb der letzten fünf Jahre um insgesamt 17,8 Prozent gestiegen. Viele Taten im Bereich Partnerschaftsgewalt, sexualisierte und digitale Gewalt werden jedoch nicht angezeigt, etwa aus Angst, Abhängigkeit oder Scham. Erste Ergebnisse der Opferbefragung „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ des Bundeskriminalamts ermöglichen einen Blick auf das Dunkelfeld: Die Anzeigequote liegt demnach meist unter zehn Prozent, bei Partnerschaftsgewalt sogar unter fünf Prozent.
Wichtige Nummern im Notfall
Wichtige Kontakte in Notfällen gibt es in der Faltkarte im Brieftaschenformat »Nummern für den Notfall«. Es ist im Gleichstellungsbüro der Kreisverwaltung, Adolf-Dechert-Straße 1 in Oranienburg, und online als PDF unter http://www.oberhavel.de/gleichstellungsbeauftragte erhältlich.