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Datum: 29.10.2026

Von Insektenschutz bis Halbleiterchip

Landrat vor Ort: Alexander Tönnies besucht die Ätztec GmbH in Gransee

Oberhavels Wirtschaft ist vielfältig. Unternehmerinnen und Unternehmer unterschiedlicher Branchen sowie gesellschaftliche Institutionen sorgen für eine positive Entwicklung des Landkreises. Dazu stellen sie sich täglichen Herausforderungen. Welche das sind, ist ganz unterschiedlich. Deshalb spricht Alexander Tönnies in der Reihe „Landrat vor Ort“ regelmäßig mit den Verantwortlichen über Schwierigkeiten im Firmenalltag, ihre Ideen und Perspektiven. So war der Landrat gemeinsam mit Claudia Flick, Geschäftsführerin der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WInTO, zuletzt bei der Ätztec GmbH in Gransee zu Gast.

Filigrane Bauteile aus Gransee: Landrat Alexander Tönnies und WInTO-Geschäftsführerin Claudia Flick sprachen mit Ätztec-Geschäftsführer Julian Zender (rechts) und Betriebsleiter Matthäus Mecke über die Perspektiven des Unternehmens.

© Landkreis Oberhavel/Kerstin Neubauer


„In jeder Boeing, die am Himmel fliegt, steckt ein Stück Gransee“, sagt Landrat Alexander Tönnies bewundernd bei seinem Besuch im Kraatzer Weg in Gransee. Und meint damit die Abschirmungsgitter für Positionslichter an Flugzeugen, die die Firma Ätztec hier in Gransee produziert. Mittels Ätztechnik werden bis zu 1.000 unterschiedliche Teile für 14 verschiedene Branchen gefertigt und in alle Länder versendet – Filter, Siebe, Gitter, Nadeln, Kontakte, Funktionsoberflächen, Leadframes als Leitungsträger für Halbleiterchipgehäuse und weitere mikromechanische Komponenten für fast alle Anwendungsbereiche des Lebens. „Unser Unternehmen fertigt Formätzteile aus allen gängigen Metallarten in unterschiedlichen Materialstärken für fast jedes Anwendungsgebiet und jede Branche“, erläutert Geschäftsführer Julian Zender. Dabei lägen die Schwerpunkte in der Produktion aktuell in der Medizintechnik und der Luft- und Raumfahrt. Aber auch für die Elektrotechnik, für den Maschinenbau, die Mess- und Regeltechnik, für die Kommunikationstechnik und den Modellbau würden Produkte gefertigt. „Der Kunde kommt zu uns mit einem Bedarf an Metallstrukturen, und wir finden dann die Lösung – beispielweise Insektenschutzgitter für Rauchmelder“, so Julian Zender.

Die Technologie des Ätzens, die Ätztechnik, entwickelte sich Ende der 1960er-Jahre als Metallbearbeitungsverfahren alternativ zum Stanzen. Geringe Werkzeugkosten, optimale Ausnutzung des Materials, schnelle Realisierung verschiedener Teile, dazu feinste, präzise Strukturen sind die Vorteile. Die gewünschte „konstruktiv optimale geometrische Struktur“, wie Julian Zender sagt, wird mittels UV-Licht auf das mit Fotolack beschichtete Metall übertragen. Die nicht bedruckten Bereiche wer-den anschließend weggeätzt. Weitere Schritte wie das Punktschweißen, Biegen, Vernickeln und Veredelungen folgen, bis das fertige Endprodukt mit nur geringer Materialstärke von 0,01 bis 2,0 Millimeter vorliegt. Eisen, Stahl, Chrom, Nickel, Kupfer, Zink, Zinn, Aluminium, Kupferberyllium sowie viele Legierungen dieser Metalle kommen zum Einsatz, von Einzelstücken bis zu großen Auflagen in Millionenhöhe.

Matthäus Mecke (links) erklärt Claudia Flick die Produktionstechnik. Stefan Zender (Mitte) übernahm die Firma in den 1980er-Jahren. Inzwischen führt sein Sohn Julian Zender (hinten rechts) - hier im Gespräch mit Landrat Alexander Tönnies - die Firma.

© Landkreis Oberhavel/Kerstin Neubauer


„Als ich die Firma in den 1980er-Jahren übernahm, war die Halbleiterindustrie das entscheidende Segment“, erläutert Firmengründer Stefan Zender. „Als sich die Produktion dann zunehmend in den asiatischen Raum verlagerte, konnten wir nur überleben, weil wir flexibel für jeden Bedarf neue Produkte entwickeln können. Nun kehrt die Halbleitertechnik Stück für Stück nach Deutschland zurück, wir steigen wieder ein und sind da, wo wir angefangen haben.“

Heute führt Julian Zender als Inhaber das Unternehmen. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie sechs Auszubildende sind aktuell bei Ätztec in Gransee beschäftigt. „Wir könnten noch mehr Mitarbeiter gebrauchen“, sagt Geschäftsführer Julian Zender. „Unsere Auftragslage ist sehr gut – wir brauchen gute Leute, um die Aufträge abzuarbeiten.“ Um dem hohen Bedarf an Arbeitskräften zu begegnen, würden auch zunehmend ausländische Fachkräfte angeworben und beschäftigt, so derzeit aus Albanien und Afghanistan.

„Die Ätztec GmbH ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie viel Knowhow in unserem Landkreis steckt, das meist noch zu wenig bekannt ist“, sagt Landrat Tönnies nach einem Rundgang. „Mit langjähriger Erfahrung entwickelt sich das Familienunternehmen stetig weiter und passt sich so unter den Bedingungen von Fachkräftemangel und hohem Konkurrenzdruck dem hochkomplexen internationalen Markt und dem fortwährenden Wandel der Bedarfe an – und wie wir sehen: mit Erfolg!“

Weitere Informationen zur Ätztechnik und zum Firmenprofil der Ätztec GmbH gibt es unter www.aetztec.de.

Führung durch die Produktion: Bei Ätztec in Gransee werden Formätzteile aus allen gängigen Metallarten gefertigt.

© Landkreis Oberhavel/Kerstin Neubauer