Sprungziele
Inhalt
Datum: 11.08.2026

MOHVER als Alternativangebot auf wenig frequentierten Buslinien

Entwurf des Nahverkehrsplans 2027 bis 2031 sieht Kürzungen abends und an den Wochenenden vor / Landkreis begrenzt Zuschuss für Oberhavel Verkehrsgesellschaft auf rund 11 Millionen Euro / Weitere 5 Millionen Euro kommen vom Land

OVG Bus

© Landkreis Oberhavel/Luisa Zock


6,5 Millionen Fahrgäste bestiegen 2025 einen Bus an einer der 686 Haltestellen in Oberhavel – im Süden des Landkreises deutlich häufiger als im Norden. Die meisten von ihnen waren Schülerinnen und Schüler, gefolgt von Pendlerinnen und Pendlern. Aber auch Touristen nutzten die Linien zum Tierpark Germendorf und zum Ziegeleipark Mildenberg. Diese Verbindungen will der Landkreis sichern. Um das trotz der angespannten Finanzlage Oberhavels zu schaffen, müssen Linien auf Anfrage (on demand) bedient und die Taktzeiten in den Ferien, an Wochenenden und in den Abendstunden ausgedünnt werden. Das gilt auch für Gebiete mit parallelen Schienenverbindungen. Die Vorschläge sind im neuesten Entwurf des Nahverkehrsplans für 2027 bis 2031 zusammengefasst, der jetzt dem Fachausschuss des Kreistages zur Beratung vorgelegt wurde.

„Unsere Vorschläge sollen einen bestmöglichen Öffentlichen Personennahverkehr in Oberhavel trotz der angespannten Haushaltslage sichern. Wir wollen das Angebot in den Hauptzeiten erhalten, müs-sen aber gleichzeitig den Zuschuss zu den Betriebskosten für unsere Oberhavel Verkehrsgesellschaft begrenzen“, sagt Landrat Alexander Tönnies. „Mit dem vorliegenden Entwurf ist uns das gelungen.“

„Um auch dort, wo weniger häufig ein Bus bestiegen wird, Angebote zu machen und die Menschen vor Ort abzuholen, setzen wir deshalb auch auf on-demand-Angebote“, erklärt die zuständige De-zernentin für Mobilität in Oberhavel, Katja Hermann. „Mit dem MOHVER, der als Kleinbus auf weniger stark frequentierten Linien unterwegs ist, können wir die Angebote sogar leicht ausbauen. In den Orten rund um Gransee gehört der MOHVER seit langem dazu, in Fürstenberg fährt er seit diesem Sommer auch und für weitere Kommunen plant die OVG mit diesem flexiblen Angebot für die Zukunft.“


MOHVER, so wie hier in Fürstenberg, sollen gemäß dem neuen Nahverkehrskonzept künftig verstärkt als sogenannte "on-demand-Alternativangebote" auf wenig frequentierten Buslinien eingesetzt werden.

© Landkreis Oberhavel/Lea Bellstedt


Der Landkreis plant ab 2027 mit Ausgaben für den ÖPNV von 15,7 Millionen Euro, fünf Millionen Euro davon kommen vom Land. Die Kosten steigen seit Jahren durch höhere Personal- und Kraftstoff-ausgaben. Außerdem subventioniert der Landkreis jedes Schülerticket in Oberhavel mit 30 Euro monatlich, um junge Menschen verlässlich und klimafreundlich ans Ziel zu bringen und Familien finanziell zu unterstützen.

Meist genutzte Linien sind im Süden
Die gefragteste Linie in Oberhavel ist die 824 vom Bahnhof Oranienburg über Velten nach Hennigsdorf. 2024 wurden auf dieser Strecke fast 1,6 Millionen Fahrgäste gezählt. Stark genutzt werden auch die Linien 806 von Zühlsdorf über Mühlenbeck und Schildow nach Hermsdorf, die X36 zwischen Berlin und Hennigsdorf, die Linie 804 von Oranienburg nach Malz und die 809, die ab Hennigsdorf über Hohen Neuendorf nach Frohnau fährt. Die genannten Linien haben im Jahr 2024 fast 60 Prozent der gesamten Nachfrage ausgemacht. Ihr Anteil an der Betriebsleistung der Oberhavel Verkehrsgesellschaft betrug 30 Prozent. „Diese Zahlen machen sehr deutlich, dass der ÖPNV im weniger stark besiedelten Teil unseres Landkreises weiterentwickelt werden muss. Das spiegelt der Nahverkehrsplan für die kommenden fünf Jahre wider.

MOHVER häufiger unterwegs
Im gesamten Norden Oberhavels bleibt der Schülerverkehr unverändert. Abends, an den Wochenenden und an Feiertagen soll der reguläre Verkehr auf den Linien 830 bis 832 und 834 bis 857 durch den MOHVER (Mein OHV ExpressRufBus) ersetzt werden. Dies betrifft an Wochenenden auch die Hauptnetzlinie 833 (Gransee – Badingen – Zehdenick) und die Linie 854 (Gransee – Ziegeleipark Mildenberg – Himmelpfort). Wer den MOHVER nutzen will, meldet sich mindestens 90 Minuten vor Fahrtantritt über App oder Anruf bei der OVG. An Schultagen ist der MOHVER zwischen 08.00 und 12.00 Uhr sowie 15.00 und 21.00 Uhr verfügbar, an den Wochenenden und an Feiertagen von 08.00 bis 12.00 Uhr und an Ferientagen zwischen 06.00 und 21.00 Uhr.

Nachfrageschwache Fahrten reduziert
Auf weiteren Linien sollen einzelne Fahrten mit geringer Auslastung gestrichen werden. Dies betrifft im Wesentlichen die Abendzeit ab 18 Uhr beziehungsweise 20 Uhr und das Wochenende auf den Linien 801 (Oranienburg – Beetz – Kremmen), 802 (Oranienburg – Neuendorf – Löwenberg), 803 (Oranienburg – Liebenwalde – Liebenthal), 805 (Oranienburg – Zehlendorf – Liebenwalde) und die Linie 812 (Neu Vehlefanz – Bärenklau – Schwante – Bötzow).

Taktzeitenreduzierung
Im Entwurf des nächsten Nahverkehrsplans wird zudem vorgeschlagen, die Takte außerhalb der Schulzeit in den Abendstunden sowie in den Ferien, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen ganztätig auf weiteren sieben Linien zu reduzieren. So bleibt das Angebot an den Schultagen und für 75 Pro-zent der Werktage bestehen. Dies beträfe die Linien 800 (Oranienburg – Kremmen), 806 (Zühlsdorf – Mühlenbeck – Schildow – Hermsdorf), 807 (Velten – Hennigsdorf), 809 (Hennigsdorf – Hohen Neuendorf – Frohnau), 816 (Borgsdorf – Velten), 824 (Oranienburg – Velten – Hennigsdorf) und 833 (Gransee – Zehdenick).

Ausdünnung parallel zum Schienenverkehr
Linienabschnitte oder Fahrten, für die ein paralleles Angebot durch den Schienenverkehr oder andere Buslinien besteht, sollen laut Entwurf ebenfalls reduziert werden. Damit einher gehen teilweise geänderte Anbindungen an die Haltestellen und Stationen. Die Buslinie 814 verkehrt weitgehend parallel zur Regionalbahn 55. Auch die Linien 822 und 823 liegen im Einzugsbereich anderer Haltestellen, werden aber durch die Stadt Oranienburg komplett beziehungsweise die Stadt Hohen Neuendorf bedeutend kofinanziert. Die Fortführung dieser Linien hängt davon ab, ob es bei dieser finanziellen Beteiligung trotz der ebenfalls angespannten Haushaltslage der Städte und Gemeinden bleibt.

Hintergrund
Aktuell sind im Regionalbusverkehr in Oberhavel 31 Gelenkbusse, 76 Standardlinienbusse und zwei Midi- sowie zwei Kleinbusse unterwegs. 6,2 Millionen Kilometer legten die Busse der Oberhavel Ver-kehrsgesellschaft 2025 zurück. Unterschiede in der Fahrgastnachfrage waren über den Jahresverlauf bei allen 42 Buslinien zu verzeichnen. Insbesondere im August, aber auch im Oktober war ein Rückgang der Fahrgastzahlen erkennbar. Dies ist auf die Schulferien zurückzuführen und zeigt, dass Schülerinnen und Schüler einen Großteil der Fahrgäste ausmachen. Im Landkreis Oberhavel besaßen 2025 insgesamt 13.280 Schülerinnen und Schüler ein Schülerticket. Von den 6,5 Millionen Fahrgästen, die im Jahr 2024 erfasst wurden, fuhren 75 Prozent an Schultagen mit dem Bus. Auf Werktage in den Ferien fielen nur 13 Prozent, hier waren also vor allem Pendlerinnen und Pendler unterwegs. An Samstagen wurden etwa sechs Prozent der Fahrgäste gezählt und an Sonntagen nur fünf Prozent.

Auf einigen Linien war aber auch in der Sommersaison ab April bis in den Herbst ein Anstieg der Nachfrage erkennbar, was auf die touristische Nachfrage zurückzuführen ist. Die Bedeutung der Nachfrage im Schülerverkehr ist ebenfalls ersichtlich, wenn man die Nachfrage der verschiedenen Verkehrstage vergleicht.

Der gesamte Entwurf des Nahverkehrsplans 2027-2031 ist über die Webseite des Landkreises unter https://www.oberhavel.de/buergerinfo/getfile.asp?id=86922&type=do abrufbar.