Arbeit mit Wert und Wertschätzung
Landrat vor Ort: Alexander Tönnies besucht die Caritas-Werkstatt in Oranienburg
Oberhavels Wirtschaft ist vielfältig. Unternehmerinnen und Unternehmer unterschiedlicher Branchen sowie gesellschaftliche Institutionen sorgen für eine positive Entwicklung des Landkreises. Dazu stellen sie sich täglichen Herausforderungen. Welche das sind, ist ganz unterschiedlich. Deshalb spricht Alexander Tönnies in der Reihe „Landrat vor Ort“ regelmäßig mit den Verantwortlichen über Schwierigkeiten im Firmenalltag, ihre Ideen und Perspektiven. So war der Landrat gemeinsam mit Claudia Flick, Geschäftsführerin der kreiseigenen Wirtschaftsförderung WInTO, zuletzt bei der Caritas-Werkstatt St. Johannesberg in Oranienburg zu Gast.
Berufliche Bildung und Teilhabe für Menschen mit Behinderung: Das sind die wichtigen Anliegen der Caritas-Werkstatt St. Johannesberg in Oranienburg. Die Werkstatt ermöglicht Menschen mit einer kognitiven oder psychischen Beeinträchtigung, einen Beruf auszuüben. Die meisten Beschäftigten hätten auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum Chancen.
Das Portfolio der Caritas ist groß, zahlreiche Produkte und Dienstleistungen sind im Angebot. „Die Bedeutung der Werkstatt liegt aber nicht so sehr in diesem Angebot für Kunden, sondern vielmehr in der Perspektive für die Menschen, die dort arbeiten. Es geht um die fachliche Anleitung bei der Erledigung von Aufgaben und es geht um Wertschätzung“, sagt Landrat Alexander Tönnies bei seinem Besuch an der Berliner Straße in Oranienburg.
In der öffentlich geführten Diskussion um die Leistungsfähigkeit und Bedeutung von Behindertenwerkstätten werde nach Ansicht von Werkstattleiter Christoph Lau häufig falsch fokussiert. „Im Mittelpunkt stehen dann oft tarifliche Leistungen, Mindestlohn und Vermittlungsquoten auf den regulären Arbeitsmarkt. Das geht an dem eigentlichen Auftrag einer Werkstatt und unserer Zielgruppe vorbei. So bedingt der Mindestlohn den Leistungsdruck des allgemeinen Arbeitsmarktes, der in einer Werkstatt eben nicht gelten sollte.“ Katharina Riedel, stellvertretende Werkstattleiterin, ergänzt: „Die Vermittlung von Werkstattbeschäftigten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gelingt zwar immer wieder in Einzelfällen, bleibt jedoch die Ausnahme. Tatsächlich sehen sich Menschen mit Behinderungen und Werkstätten zunehmend mit einem Arbeitsmarkt konfrontiert, der immer weniger inklusiv ist. Menschen, die den steigenden Leistungsanforderungen nicht entsprechen können, werden dadurch zunehmend ausgeschlossen.“
Dienstleistungen und Produktion
Die Caritas-Werkstatt betreibt unter anderem eine eigene Betriebskantine an der Berliner Straße und eine öffentliche Kantine Am Heidering 20 (Gewerbegebiet Nord). Außerdem beliefert sie Kunden mit Catering zur Mittagessenversorgung, etwa Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen. Das Küchenteam setzt auf regionale und saisonale Zutaten und liefert teilweise auch in Bioqualität. Das Motto: Alles, außer gewöhnlich. Weitere wichtige Dienstleistungen bieten die Wäscherei, die Fahrradwerkstatt, die Agentur für Werbetechnik, der Betrieb für Garten- und Landschaftspflege sowie verschiedene Abteilungen für das Kommissionieren und Verpacken von Waren im Kundenauftrag.
Auch in der Produktion ist die Caritas aktiv. Es gibt eine große Holzverarbeitung, in der unter anderem Imkereiprodukte, beispielsweise Bienenbeuten, hergestellt werden. Die Werkstatt für Metallverarbeitung stellt Auftragswerkstücke in Klein- und Großserie her. Und für ein großes Oranienburger Unternehmen produzieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Werbemittel, wie Musterfächer und Farbkarten. Seit mehr als 30 Jahren besteht diese Partnerschaft.
Mit langer Tradition
Die Caritas-Werkstatt bietet allen Menschen, die aufgrund einer Beeinträchtigung zumindest vorübergehend nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eine Stelle finden, einen interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsplatz. Durch die Anwendung modernster Verfahren und einen hochwertigen Maschinenpark gleichen die Arbeitsplätze weitgehend denen von Menschen ohne Beeinträchtigung. Darüber hinaus ist die Ausstattung der einzelnen Werkstattbereiche auf die jeweiligen besonderen Bedürfnisse der Beschäftigten abgestimmt. Die Werkstatt verbindet dabei zukunftsweisende Technologien mit Tradition und Erfahrung der über 100-jährigen Geschichte des St. Johan-nesbergs. 1899 gründete der Orden der Dominikanerinnen den St. Johannesberg, um für benachteiligte Menschen da zu sein. Seit 1985 setzt die Caritas diese Tradition fort. Mehr als 400 Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten heute dort. Auf dem Gelände St. Johannesberg finden sich, neben der Caritas-Werkstatt, eine Schule mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ und das Caritas-Wohnen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.
Aktuelle Informationen und Einblicke in den Werkstattalltag finden sich auf dem Instagram-Kanal der Caritas-Werkstatt: www.instagram.com/caritaswerkstatt_oranienburg/