Igel schützen: Mähroboter nur tagsüber einsetzen
Automatisierte Gartengeräte können tödlich sein / Neue Technik verfügbar
Der Fachbereich Umwelt der Kreisverwaltung Oberhavel beteiligt sich aus Anlass des Weltnaturschutztages an einer Informationskampagne des Brandenburger Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz und appelliert an Gartenbesitzer, in der Gartenpflege besondere Rücksicht auf Igel zu nehmen. Mähroboter können für die Tiere zur tödlichen Gefahr werden.
In vielen Gärten erleichtern Mähroboter, Rasentrimmer, Motorsensen und Freischneider die Gartenarbeit erheblich. Gleichzeitig bergen sie jedoch ein erhebliches Risiko für Igel und andere Wildtiere. Der Braunbrustigel, wissenschaftlich Erinaceus europaeus, zählt gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten. Leider sinken seine Bestände seit Jahren. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands ist er in der Vorwarnliste zu finden; eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet“ ist möglich, falls der Trend anhält.
Als Hauptursachen des Rückgangs gelten menschliche Einflüsse, wie etwa tödliche Unfälle im Straßenverkehr und der Schwund von Lebensräumen durch Flächenversiegelung, Wegfall von Hecken und Gehölzen sowie übermäßig gepflegte Gärten. Die Rasen- und Grünflächenpflege mit motorisierten Schneidgeräten ist eine zusätzliche große Gefahr, denn der Igel flieht, anders als etwa Vögel und Mäuse, nicht. Er rollt sich zusammen, stellt sich tot und wartet ab. Seine jahrhundertelang funktionierende Abwehrstrategie wird ihm zunehmend zum Verhängnis.
Vor allem Mähroboter können trotz Sensortechnik über die Tiere hinweg fahren, was zu tiefen Schnittwunden, Verstümmelungen und nicht selten zu Amputationen führt. Ähnliche Verletzungen entstehen durch handgeführte Schneidwerkzeuge wie Rasentrimmer, Freischneider oder Motorsensen. Es kommt gerade bei jungen, kleineren Tieren, die vor allem ab etwa Anfang August auch tagsüber ihre Umgebung neugierig erkunden, zu schweren Verletzungen. Einige Tiere schaffen es noch, sich verletzt in ein Versteck zu schleppen. Da Igel aber keine Schmerzlaute äußern, bleiben viele Tiere unentdeckt und sterben im Verborgenen. Trifft es eine Igelmutter, überleben auch die Jungtiere nicht. Selbst wenn verletzte Igel in Auffangstationen oder Tierarztpraxen abgegeben werden, sind selbst bei schneller Hilfe die Verletzungen oft so gravierend, dass die Tiere eingeschläfert werden müssen.
So können Sie Igel schützen
Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Daher ist der Einsatz von Mährobotern nachts sowie in der Morgen- und Abenddämmerung besonders gefährlich. Den Tag verbringen Igel in ihrem Tagesversteck. Wenn Sie tagsüber mähen, etwa zwischen 10.00 und 17.00 Uhr, tragen Sie bereits zum Schutz der Tiere bei.
Nur ausgehungerte oder junge Igel gehen gelegentlich auch bei Tageslicht auf Nahrungssuche. Daher gilt immer – ob bei Mäharbeiten mit dem Aufsitzmäher, der Motorsense oder dem Mähroboter: Die Fläche sollte, gerade bei höherer Vegetation, vorab abgelaufen und kontrolliert werden.
Zudem sollten Rückzugsräume wie Blühflächen beim Mähen ausgespart und Herstellerhinweise zur Hinderniserkennung bei Mährobotern beachtet werden. Außerdem sind Modelle mit flexiblen oder schwenkbaren Klingen, Unterfahrschutz oder Frontantrieb verfügbar. Diese verbessern laut Studien den Igelschutz.
Tipps zum Igelschutz hat die Kreisverwaltung in einem PDF-Dokument zusammengefasst. Weitere Informationen zum Arten-, Biotop- und Gehölzschutz und regionale Kontaktpersonen sind auf der Internetseite www.oberhavel.de/Bürgerservice/Umwelt-und-Natur/Naturschutz zu finden.
Hintergrund
Der 28. Juli steht als Welttag des Naturschutzes (World Nature Conservation Day – WNCD) für die Erhaltung unseres natürlichen Lebensraums und seiner Ressourcen. Der Weltnaturschutztag erinnert daran, dass eine gesunde Umwelt die Grundlage für ein gesundes Leben ist. Nur eine gesunde Umwelt sichert das Wohlergehen der heutigen und zukünftigen Generationen. Der Weltnaturschutztag wurde 1972 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen ins Leben gerufen.