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Oberhavels Geschichte bewahren: Landkreis unterstützt die Restaurierung von 14 Baudenkmalen

300.000 Euro fließen 2026 in Projekte privater Bauherren, von Kirchengemeinden und Kommunen / Landrat Alexander Tönnies übergibt Fördermittelbescheid auf früherem Lehnschulzengut in Grieben

Symbolisch für alle geförderten Restaurierungen übergaben Landrat Alexander Tönnies (rechts im Bild) und Baudezernent Egmont Hamelow (Bildmitte) jetzt den Fördermittelbescheid in Grieben an Familie Gaedemann.

© Landkreis Oberhavel/Tobias Thieme


Ein roter Backsteinbau mit Segmentbogenfenstern und aufwändigen Ziegelornamenten prägt den Ortskern von Grieben. Das ehemalige Bauernhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist ein wichtiges Zeugnis für den Aufschwung im Dorf, der 1868 mit dem Ausbau der Chaussee von Löwenberg nach Herzberg und dem Anschluss an die Bahnstrecken von Löwenberg nach Lindow und 1903 nach Neuruppin einsetzte. Dieses baugeschichtliche Zeugnis sanieren Marie und Ole Gaedemann. Unterstützt werden sie wie insgesamt 14 Projekte in Oberhavel mit Mitteln aus der Denkmalförderung des Landkreises. Symbolisch für alle geförderten Restaurierungen übergaben Landrat Alexander Tönnies und Baudezernent Egmont Hamelow jetzt den Fördermittelbescheid in Grieben. „Privatpersonen wie Familie Gaedemann, Kirchengemeinden und auch Kommunen setzen sich für den Erhalt der Baugeschichte unserer Region ein. Sie investieren viel Kraft und Geld, um Häuser wie dieses zu erhalten“, sagte Alexander Tönnies. „Dieses Engagement unterstützt der Landkreis jedes Jahr mit rund 300.000 Euro.“

Das Wohnhaus von Marie und Ole Gaedemann ist Teil eines Vierseithofs im Ortskern von Grieben gegenüber der Dorfkirche. Er ist einer der größten Bauernhöfe im Ort, vermutlich das frühere Lehnschulzengut. Die anspruchsvolle Ziegelarchitektur samt Einfriedungsmauer zeugt vom Wohlstand und dem Repräsentationsanspruch der einstigen Hofbesitzer, bei denen es sich vermutlich um die Familie des Lehn- und Gerichtsschulzen Böldicke handelte.

Marie und Ole Gaedemann sanierten in einem ersten Schritt das Erdgeschoss, die Veranda und das Holztragwerk. Dafür erhielten sie 2024 bereits knapp 34.000 Euro im Rahmen der Denkmalförderrichtlinie. Mit weiteren in diesem Jahr gewährten 19.000 Euro soll die Sanierung von Holzbauteilen vor allem im Dachgeschoss des Hauses unterstützt werden. „Die denkmalgerechte Sanierung eines solchen Anwesens ist ein großer Gewinn für Oberhavel, aber für die Bauherren auch eine große finanzielle Herausforderung. Das wollen wir fördern und vor allem auch zeigen, dass diese Anstrengung, Baudenkmale zu erhalten, geschätzt wird“, sagte Egmont Hamelow.

Finanziell unterstützt werden in diesem Jahr außerdem die Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an der Kanzel, dem Pastorenstuhl und der Westempore in der Blumenower Dorfkirche, der inzwischen dritte Bauabschnitt der Turmsanierung der Falkenthaler Dorfkirche, die Restaurierung des Epitaphs für Thomas Grüwel in der Kremmener Stadtkirche St. Nikolai, die Restaurierung des Obristen- oder Coccejisteins im Kappenwald im Gutspark Liebenberg und die Sanierung der Holzkonstruktionen eines Verwaltungsgebäude in Grüneberg.

Von der Denkmalförderung profitieren auch Gründungsertüchtigung und Mauerwerksreparatur am Turm der Oranienburger Kirche St. Nicolai, die Hüllensanierung eines Nebengebäudes der Clara-Zetkin-Gedenkstätte Birkenwerder und die Dachsanierung des ehemaligen Käsehauses auf dem Gut Badingen. Der Einbau von 13 denkmalgerechten Holzfenstern und die Sanierung Eingangstür der alten Menzer Schule werden gefördert, ebenso die Sanierungen eines Daches eines historischen Stallgebäudes in Großmutz und der Straßenfassade eines Wohnhauses im Hohen Neuendorfer Ortsteil Stolpe. Zu den Projekten, die finanziell unterstützt werden, gehören zudem die Wiederherstellung der Neuholländer Kirchhofmauer und die Reinigung, Notsicherung und Erarbeitung einer Restaurierungskonzeption für die beiden gotischen Skulpturen „Maria und Anna Selbdritt“ in der Wensickendorfer Dorfkirche.

Insgesamt waren bei der unteren Denkmalschutzbehörde 25 Förderanträge eingegangen. Die Verteilung der Mittel erfolgte je nach Dringlichkeit beim Erhalt der Denkmale. Die untere Denkmalschutzbehörde entscheidet über die Bewilligung der Anträge.