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Datum: 26.02.2026

Haushalt 2026: Investieren und sparen

Freiwillige Ausgaben auf dem Prüfstand / Kreisumlage bleibt stabil

Die Finanzausgaben steigen auch beim Landkreis Oberhavel.

© Landkeis Oberhavel/Irina Schmidt


Der Kreistag des Landkreises Oberhavel hat am Mittwoch, 25.02.2026, die Haushaltssatzung für das Jahr 2026 beschlossen. Kreistag und Verwaltung gelingt damit ein Spagat zwischen dringend nötigen Investitionen und Einsparungen vor dem Hintergrund einer sich weiter verschlechternden finanziellen Lage öffentlicher Kassen. Um die kreisangehörigen Kommunen nicht weiter zu belasten, bleibt die Kreisumlage unverändert bei 32,3 Prozent – bisher der niedrigste Satz in ganz Brandenburg.

„Kreistag und Verwaltung haben über Monate viel Kraft investiert, um diesen Haushaltsentwurf vorzulegen. Dafür danke ich allen Beteiligten“, sagt Landrat Alexander Tönnies. Wie bei anderen Kommunen in Deutschland auch, verschlechtert sich die finanzielle Lage des Landkreises Oberhavel zunehmend. „Ja, wir müssen sparen. Es geht nicht weiter wie bisher. Wir stehen vor Herausforderungen, die in den kommenden Jahren nur mit sehr großen Sparanstrengungen zu bewältigen sind. Alle freiwilligen Leistungen kommen in den nächsten Jahren auf den Prüfstand, ebenso die Standards bei pflichtigen Aufgaben.“

In der Vergangenheit hatte der Landkreis in wichtige Großprojekte investiert, darunter das neue Technik- und Ausbildungszentrum (TAZ) für die Feuerwehren und den Katastrophenschutz, den neuen Standort für Musikschule, Volkshochschule und ReMO – Regionalmuseum Oberhavel in der KulturFUGE, die Sporthalle der Torhorst-Gesamtschule, die Erweiterung der Frieda-Glücksmann-Oberschule Lehnitz und den Ausbau der K6503 in Zühlsdorf. Damit der Landkreis auch weiterhin in Bildung, Sicherheit und Mobilität seiner Bürgerinnen und Bürger investieren kann, sieht Finanzdezernent Matthias Kahl auch den Bund in der Pflicht. „Die Handlungsfähigkeit der Kommunen ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung staatlicher Stabilität. Bund und Land müssen die Hilferufe der kommunalen Familie endlich hören – und handeln. Der Bund muss sich zwingend an den steigenden Soziallasten beteiligen, schließlich hat er dies mit seinen Standarderhöhungen zu verantworten“, sagt Matthias Kahl.

Investitionen in Bildung, Sicherheit und Mobilität
Für große Investitionsprojekte wird der Landkreis zukünftig Kredite aufnehmen müssen. Bereits für den Haushalt 2026 war erstmals mit einer Kreditaufnahme gerechnet worden. „Dank der 40,65 Millionen Euro aus dem Zukunftspaket Brandenburg kann der Landkreis die Kreditaufnahme vorerst verschieben. Das schuldenbasierte Planen wird in Oberhavel jedoch in Zukunft zur neuen Normalität. Der Landkreis war bis dato finanziell gut ausgestattet, aber der Negativtrend von steigenden Ausgaben und zugleich sinkenden oder zumindest stagnierenden Einnahmen setzt sich fort“, so Matthias Kahl. Das Geld aus dem Zukunftspaket fließt anteilig in den Neubau der Rettungswache im Mühlenbecker Land (Investitionssumme von 6,4 Millionen Euro) und den Neubau der Gesamtschule Velten (Investitionssumme von 47 Millionen Euro für das Schulgebäude und 15 Millionen für die Sporthalle). Der Landkreis investiert 2026 insgesamt 66,3 Millionen Euro in seine Infrastruktur.

Der Haushalt 2026 umfasst insgesamt Aufwendungen von gut 641 Millionen Euro. Den größten Teil haben daran die Sozialleistungen. Allein die Kinder- und Jugendhilfe macht knapp ein Viertel der Gesamtaufwendungen aus.

Lernwerkstätten bleiben bestehen
Um den Haushaltsausgleich zu erreichen, hat die Kreisverwaltung dem Kreistag eine Liste an Sparvorschlägen gemacht. Darunter die Kürzung des Zuschusses für die Lernwerkstätten. Diese ermöglichen Schulabstinenzlern einen auf sie ausgerichteten Unterricht mit dem Ziel, einen Schulabschluss zu schaffen. Dieser Vorschlag wurde seitens der Politik nicht angenommen. Die Lernwerkstätten werden in unveränderter Form weiter finanziert. Um dies zu ermöglichen, wurde unter anderem der Babybegrüßungsdienst und das Livestreaming der Ausschusssitzungen gestrichen.

Darüber hinaus ist die Kreisverwaltung aufgefordert, ihre Möglichkeiten Erträge zu erhöhen, zum Beispiel durch die Anpassung von Entgeltordnungen und Gebührensatzungen, zu nutzen. Die Sozialverträglichkeit soll dabei gewahrt werden.

Insgesamt stehen 629,5 Millionen Euro geplanten Erträgen 641,1 Millionen Euro Aufwendungen gegenüber. Der Ausgleich der Differenz in Höhe von 11,6 Millionen Euro erfolgt über bilanzielle Rücklagen. Die Personalkosten für die derzeit rund 1.300 Mitarbeitenden der Kreisverwaltung betragen etwa 16 Prozent der Gesamtaufwendungen (rund 104,2 Millionen Euro).

Die größten Aufwendungen 2026
Kinder- und Jugendhilfe 154,1 Millionen Euro
Grundsicherung für Arbeitsuchende 115,6 Millionen Euro
Soziales 108,4 Millionen Euro

Weitere Aufgaben mit hohen Aufwendungen 2026
Schulen 42,3 Millionen Euro
Abfallwirtschaft 20,8 Millionen Euro
ÖPNV 17,1 Millionen Euro