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Datum: 13.02.2026

Gemeinsam für Stahlwerk-Neubau und Grundwasserschutz

Hennigsdorfer Elektrostahlwerke, Land und Landkreis unterzeichnen Vertrag zum Schutz des Trinkwassers in der Region / Sicherungssystem ist Grundlage für geplante Neuausweisung des Wasserschutzgebietes Stolpe

Nach der Vertragsunterzeichnung (v.li.n.re.): Andrea Rivetta, Geschäftsführer der Hennigsdorfer Elektrostahlwerke (H.E.S.), Umweltdezernent Egmont Hamelow, H.E.S.-Geschäftsführerin Katja Rex, Landrat Alexander Tönnies, Jurist Dr. Achim Willand, Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer und Coll, neben Hanka Mittelstädt, Ministerin für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, sowie David Kolesnyk, Staatssekretär in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg.

© Landkreis Oberhavel/Mandy Oys



Mit dem Bau von Abwehrbrunnen und einem Grundwassermonitoring auf dem Gelände der Hennigsdorfer Elektrostahlwerke (H.E.S.) wird die Qualität des Grundwassers dauerhaft gesichert. Damit kann das Verfahren für die Neuausweisung des Wasserschutzgebietes (WSG) Stolpe beginnen. Ziel ist es, das Industrieareal aus dem WSG zu entlassen. Das schafft Sicherheit für die geplanten Investitionen in den Um- und Ausbau des Stahlwerks der Riva-Gruppe.

Der Landkreis Oberhavel, das Land Brandenburg und die Hennigsdorfer Elektrostahlwerke (H.E.S.) haben heute die öffentlich-rechtlichen Verträge unterzeichnet, die ein System zur Sicherung des Grundwassers auf dem H.E.S.-Betriebsgelände regeln und so die Neuausweisung des Wasserschutzgebiets Stolpe möglich machen. Damit kann das traditionsreiche Stahlwerk modernisiert werden. Auf Einladung von Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt und Oberhavels Landrat Alexander Tönnies waren Andrea Rivetta und Katja Rex, Geschäftsführer der Hennigsdorfer Elektrostahlwerke, sowie David Kolesnyk, Staatssekretär der Staatskanzlei des Landes, am Donnerstag, 12.02.2026, zur Unterzeichnung nach Oranienburg gekommen. Vertreterinnen und Vertreter der Beteiligten haben in den vergangenen Jahren gemeinsam am Verhandlungstisch gesessen, um die Investitionspläne der Riva-Gruppe möglich zu machen.

Oberhavels Landrat Alexander Tönnies: „Oberhavels Wirtschaft zu unterstützen, ist uns wichtig. Sie ist Säule einer guten Entwicklung unseres Landkreises. Der Schutz eines Gebietes, aus dem Hunderttausende Menschen in Oberhavel und Berlin mit Wasser versorgt werden, muss aber Priorität haben. Alle Seiten haben diese Schutzwürdigkeit ernst genommen und konstruktiv an den Verträgen gearbeitet, die wir heute unterzeichnet haben. Natürlich ist eine Verhandlungsdauer von über 20 Jahren kein Maßstab, aber in den vergangenen vier Jahren seit meinem Amtsantritt habe ich lösungsorientierte Gespräche begleiten dürfen. Ergebnis waren 120 Seiten mit sehr komplexen Regelungen zum Schutz des Grundwassers. Den Verantwortlichen in den Hennigsdorfer Elektrostahlwerken war sehr bewusst, wie weitreichend ihre Pläne im Wasserschutzgebiet Stolpe sind. Vielen Dank an Andrea Rivetta und Katja Rex! Es freut mich, dass die Riva-Gruppe den Schutz des Trinkwassers bei den Ausbauplänen für das Hennigsdorfer Stahlwerk immer mitgedacht hat und mitträgt. Das zeigt, wie ernsthaft sie am Standort Oberhavel festhält.“

H.E.S.-Geschäftsführer Andrea Rivetta und Katja Rex: „Mit der heutigen Unterzeichnung der Vereinbarung wird ein langjähriger und komplexer Prozess erfolgreich abgeschlossen. Die Einigung markiert einen wichtigen Meilenstein für den Industriestandort Hennigsdorf und steht für die Fähigkeit aller Beteiligten, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Die Vereinbarung ist das Ergebnis einer konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen dem Land Brandenburg, dem Landkreis und dem Unternehmen. Sie beendet eine über viele Jahre bestehende Unsicherheit im Zusammenhang mit der Trinkwasserschutzzone, die Investitionen und langfristige Planungen am Standort erheblich erschwert haben. Die Riva-Gruppe, zu der die Hennigsdorfer Elektrostahlwerke gehören, bekräftigt die zentrale Bedeutung Deutschlands als Produktionsstandort innerhalb der Gruppe. Auch in schwierigen Zeiten hat das Unternehmen an den Standort geglaubt und ist bereit, weiterhin in eine moderne, nachhaltige und auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Stahlproduktion zu investieren. Gleichzeitig wird auf die besonderen Herausforderungen für energieintensive Industrien hingewiesen. Um im Wettbewerb mit anderen europäischen Industriestandorten bestehen zu können, muss Deutschland kurzfristig die Energiepreise für energieintensive Unternehmen senken, da zahlreiche EU-Staaten mit elektrostahlbasierter Produktion inzwischen über deutlich günstigere Rahmenbedingungen verfügen.“

Ministerin Hanka Mittelstädt: „Mir ist bewusst, dass über 20 Jahre Verhandlungsdauer für die jetzt erzielte Lösung zu viel sind. Ich will und kann das rückblickend nicht bewerten. Die Dauer ist aber auch ein Indiz dafür, wie schwierig es war, die berechtigten Schutzinteressen für die sichere Versorgung Hunderttausender Menschen mit sauberem Wasser auf der einen Seite und die eben-falls berechtigten Interessen des Unternehmens an einer zukunftssicheren Umgestaltung und Erweiterung auf der anderen Seite miteinander in Einklang zu bringen. Dass das gelungen ist, ist der eigentliche Erfolg, den wir mit der heutigen Vertragsunterzeichnung feiern dürfen. An diesem Erfolg sind viele beteiligt. Kompromissbereitschaft und der unbedingte Wille zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen, waren auf allen beteiligten Seiten vorhanden. Das Beispiel Wasserschutzgebiet Stolpe setzt ein Zeichen für das gesamte Land: Es kann gelingen, scheinbar unvereinbare Interessen miteinander auszugleichen, wenn alle bereit sind, sich dafür zu engagieren. Denn das war hier der Fall. Und dafür danke ich allen Beteiligten.“

Staatssekretär David Kolesnyk: „Ich danke allen Beteiligten für die Ausdauer und gute Zusammenarbeit. Damit konnte nun eine Lösung gefunden werden, die allen Interessen vernünftig gerecht wird. Das ist ein wichtiges Zeichen für ganz Brandenburg: Wir schaffen es, die Dinge zusammenzubringen und Lösungen zu finden.“

Riva bat 2004 erstmals darum, aus dem WSG entlassen zu werden. Seit 2014 wurden konkrete Verhandlungen geführt. Der Landkreis wurde 2015 als untere Landesbehörde in die Verhandlungen einbezogen. Ziel war es, den Schutz des Trinkwassers, das im betreffenden Gebiet für Teile Oberhavels und Berlins aus dem Grundwasser gewonnen wird, sicherzustellen, aber gleichzeitig den Industriestandort in Hennigsdorf zu erhalten und dessen Entwicklung zu ermöglichen. Um beides zu erreichen, wurde ein alternatives Sicherungssystem konzipiert. Dazu gehört ein Grundwassermonitoring und der Bau von Abwehrbrunnen. Sie werden im Havariefall in Betrieb genommen und fördern das verunreinigte Grundwasser nach oben in eine Reinigungsanlage. Damit ist gesichert, dass das Trinkwasser für rund 600.000 Menschen aus dem Wasserschutzgebiet nicht kontaminiert werden kann. Die Grundwasserqualität wird ständig überwacht. Die Kosten für das alternative Sicherungssystem tragen die Hennigsdorfer Elektrostahlwerke. Eine finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand ist nicht vorgesehen.

Eine Neuausweisung des Wasserschutzgebietes Stolpe, von dem das Betriebsgrundstück der Hennigsdorfer Elektrostahlwerke ausgenommen ist, soll 2027 rechtskräftig sein.