Grippefälle in Oberhavel nehmen deutlich zu
Neben Atemwegserkrankungen verzeichnet das Gesundheitsamt auch immer mehr Windpockeninfektionen / Amtsärztin rät zu Impfungen
In Oberhavel ist aktuell ein deutlicher Anstieg der Influenza-Erkrankungen zu verzeichnen. In der vergangenen Woche wurden 152 Influenza-Fälle gemeldet – die Zahl hat sich im Vergleich zu den ersten beiden Kalenderwochen mit 33 und 36 Fällen vervierfacht. Auch andere Atemwegserkrankungen nehmen zu. Dazu gehören auch Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) in den vergangenen Wochen. „Diese Entwicklung entspricht der derzeitigen saisonalen Lage mit einer ausgeprägten Grippewelle“, sagt Oberhavels Amtsärztin Simone Daiber. „Wir empfehlen dringend, bei Krankheitssymptomen zu Hause zu bleiben und Kontakte zu reduzieren. Eine Grippeschutzimpfung ist auch jetzt noch sinnvoll und kann vor schweren Krankheitsverläufen schützen.“
Das Gesundheitsamt bietet weiterhin jeden Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr eine Impfsprechstunde ohne vorherige Anmeldung an. Die Impfungen erfolgen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und werden in der Regel von den Krankenkassen bezahlt. Auch mitten in der Saison kann eine Impfung noch wirksam sein, da der Schutz etwa zwei Wochen nach der Impfung aufgebaut wird. Zentrale Schutzmaßnahmen gegen Infektionen bleiben regelmäßiges Händewaschen, Husten und Niesen in die Armbeuge, regelmäßiges Lüften sowie Abstandhalten bei Symptomen.
Zahl der Windpockenerkrankungen steigt kontinuierlich
Neben den Atemwegserkrankungen verzeichnet das Gesundheitsamt auch eine zunehmende Zahl von Windpockenerkrankungen (Varizellen). Die gemeldeten Windpockenfälle sind in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen: von 39 Fällen im Jahr 2019 über 45 Fälle im Jahr 2023 auf 58 Fälle im Jahr 2025. Parallel dazu ist auch die Zahl der Betretungsverbote für ungeimpfte Kontaktpersonen in Schulen und Kitas gestiegen und lag 2025 bei 55 Fällen.
Die Auswertung der Schuleingangsuntersuchungen zeigt, dass sich die Impfquote gegen Windpocken bei Kindern insgesamt positiv entwickelt hat. Während im Schuljahr 2014/15 noch 14,4 Prozent der untersuchten Kinder ungeimpft waren, sank dieser Anteil 2019/20 auf 9,5 Prozent und liegt im aktuellen Untersuchungsjahr 2024/25 bei 8,0 Prozent. „Von insgesamt 2.209 untersuchten Oberhaveler Kindern waren damit 176 Kinder ohne Varizellen-Impfung. Trotz der insgesamt guten Impfquote bestehen weiterhin Impflücken, die Ausbruchsgeschehen begünstigen können“, sagt Simone Daiber. „Windpocken sind eine sehr ansteckende Viruserkrankung. Besonders herausfordernd ist, dass Kinder das Virus bereits weitergeben können, bevor erste Krankheitszeichen wie der typische Hautausschlag sichtbar sind. Ungeimpfte Kinder können dadurch andere anstecken, ohne selbst schon krank zu wirken.“ Zum Schutz aller Kinder können ungeimpfte Kontaktkinder in Schulen und Kindertageseinrichtungen vorsorglich für bis zu 16 Tage vom Besuch ausgeschlossen werden. Diese Maßnahme dient der Eindämmung weiterer Ansteckungen. Geimpfte Kinder oder Kinder mit nachgewiesener früherer Windpockenerkrankung sind davon nicht betroffen.
Impfung gegen Gürtelrose schon ab 18 Jahren möglich
Abschließend weist das Gesundheitsamt Oberhavel auf eine neue Empfehlung der STIKO zur Gürtelrose-Impfung hin. Denn auch Herpes-zoster-Erkrankungen – gemeinhin als Gürtelrose bekannt – nehmen seit Jahren zu. 2025 wurden in Oberhavel 287 Fälle registriert. Windpockenviren verbleiben nach einer durchgemachten Infektion lebenslang im Körper und können später als Gürtelrose erneut auftreten. Die STIKO empfiehlt die Gürtelrose-Impfung weiterhin als Standardimpfung ab 60 Jahren. Neu ist, dass die Impfung bereits ab 18 Jahren für Personen mit erhöhtem Risiko, zum Beispiel bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder bei Immunschwäche, empfohlen wird.
Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberhavel impft auch gegen Herpes Zoster. Amtsärztin Simone Daiber bittet darum, „Impfangebote wahrzunehmen, den eigenen Impfstatus und den der Familie zu überprüfen und bei Krankheitssymptomen verantwortungsvoll zu handeln“.